HISTORY

 So richtig zu rasseln und läuten begannen die Armbandwecker aber erst nach 

dem Zweiten Weltkrieg. Schon um 1943 arbeiteten die hervorragenden Techniker der Firma Vulcain in La Chaux de Fonds unter der Leitung von Robert Ditisheim an der Entwicklung eines Armbandweckers, der alle Ansprüche der Kundschaft erfüllen sollte. Lange haperte es wieder an der Lautstärke, bis ein Besuch des französischen Physikers Paul Langevin 

in der Manufaktur zu einem brauchbaren Resultat führte. Dieser schlug nämlich 

vor, es der Natur abzuschauen und die Grillen nachzuahmen. Diese Tierchen, die 

ja tatsächlich kleiner sind als eine normale Armbanduhr, können sich, wie jeder 

weiß, über eine größere Distanz sehr gut bemerkbar machen. Das Geheimnis ist 

ein kleiner Schlögl, der gegen eine Membran schlägt. Man verpasste also dieser Neukonstruktion eine ähnliche Ausrüstung mit doppeltem Gehäusedeckel, wobei der äußere dieser beiden Deckel noch durchbrochen war, um den Schall besser nach außen zu leiten.


Nach dem großen Erfolg der Cricket von Vulcain befassten sich sogleich andere Uhrenhersteller mit diesem Thema. Nun war es die Manufaktur Jaeger-LeCoultre, die 1949 mit ihrem Kaliber 489 das goldene Armbandwecker-Jahrzehnt buchstäblich einläutete.

Es war die Geburtsstunde der bis heute gebauten „Memovox“.

Vom Start weg war die Uhr ein voller Erfolg. Es wurden gleich verschiedene Modelle produziert, und auch der Export florierte. Unter dem Namen „LeCoultre“ wurde der US-Markt erobert. Bei Jaeger-LeCoultre wurde fleißig weiterentwickelt und aus dem Kaliber 489 entstand 1953 das Kaliber 814.


Die zweite deutsche Firma, nämlich Hanhart in Gütenbach, produzierte ab 1951 einen sehr bemerkenswerten Armbandwecker mit der Bezeichnung „Sans Souci“. Die Uhren hatten Zentralsekunde, Drehlünette für die Weckerzeit-Einstellung, Kifstoßsicherung und ein Federhaus mit Handaufzug für Uhrwerk und Wecker. Es gab zwei Serien. 1. ohne Schieber und 2. mit Schieber bei der „9“ für das Ein- und Abschalten des Weckers. Weiters wurden vier Varianten angeboten. Mit 17 Steinen das Kaliber 301 in Chrom/Stahl und Kaliber 301D mit Doublégehäuse, dann mit 20 Steinen Kaliber 311 in Chrom/Stahl und 311D wieder in Doubléausführung. Die Kaliber 301 und 311 hatten einen Steinankergang. Später, ab 1957 wurde das Kaliber total umgearbeitet. Aus Kostengründen wurde die Drehlünette durch eine zweite Krone für die Weckereinstellung ersetzt. Das Werk wurde in ein Stiftankerwerk mit nur einem Stein verändert. Die ursprünglich gute Uhr wurde somit in eine Billiguhr umgewandelt. Der Grund war vermutlich ein großer Auftrag für die USA, wo sie unter dem Namen „Timex Wrist-Alarm“ mit eloxiertem Aluminiumgehäuse auf den Markt kam. Diese „Wegwerfuhren“ landeten anscheinend wirklich alle am Müll, denn es ist kaum noch eine zu finden. Erwähnenswert ist noch der Deckel der Hanhart 301.


 

 

Die Firma Roamer in Stüdeli brachte ab 1953 Armbandwecker mit Kalibern von MST heraus. Zuerst mit dem Kaliber MST 417 und später mit dem MST 427. Die Werke hatten 12 Linien, 18.000 A/h, Steinanker, Handaufzug für Geh- und Weckwerk, zwei Federhäuser, Incabloc-Stoßsicherung, autokompensierende Flachspirale, direkte Zentralsekunde, Glucydurunruh und 17 Steine. Das Besondere an diesen Uhren war der Drücker bei der „2“ zum Abstellen des Weckers. Drehte man die Krone in Richtung „12“ wurde er wieder aktiviert. Durch diesen Drücker kann die Uhr auf den ersten Blick leicht mit einer Vulcain Cricket mit dem 120er Kaliber verwechselt werden. Die Gehäuse dieser interessanten Uhren gab es verchromt und vergoldet mit unterschiedlichen Zifferblättern. Heute ist die Roamer selten zu bekommen, da sie seinerzeit in eher kleinen Serien produziert wurde.


Nun aber zu einer der Großen am Schweizer Weckermarkt, der Firma Venus S.A. in Münster. Venus fertigte schon in den Zwanzigerjahren Rohwerke für die verschiedensten Uhrenmarken. So war es naheliegend, dass sie zu dieser Zeit auch auf den Weckerzug auf-sprangen. Das erste in großer Stückzahl produzierte Weckerwerk war das Kaliber 230. Es hatte 12½ Linien, 17 bzw. 21 Steine, 18.000 A/h, Glucydurunruh, autokompensierende Flachspirale und ein Federhaus mit Handaufzug für Uhrwerk und Wecker. Das Besondere war ein Sig-nalfenster bei der „9“ für die Anzeige des Weckers. Bei aktiviertem Wecker war das Fenster grün, rot bei gesperrtem Wecker. Es wurden auch andere Farben oder Leuchtmittel dafür ver-wendet. Wie bei den meisten Armbandweckern hatten diese Uhren auch zwei Kronen. 1. bei der „3“ Uhrzeit und Feder, 2. bei der „4“ für die Weckereinstellung (nach 12h drehen), Krone gezogen - der Wecker ist aktiv. Die Auftragsfi rmen konnten ihre Wünsche äußern. So gab es z.B. die Möglichkeit, das Werk mit einem oder mit zwei Hämmern auszurüsten.


 

Da war die Firma Pierce in Biel. 1954 konstruierten die sehr ideenreichen Uhrmacher dieser Firma ein ganz besonderes Weckerkaliber mit der Bez. 135 für ihr „Duo Fon“. Das Werk dieser, für den heutigen Sammler schon legendäre Uhr, hatte 13 Linien, 21 Steine, 2 Federhäuser über einer Krone bei der „3“ zu bedienen, Steinanker, 18.000 A/h und das Besondere - wie der Name schon sagt - waren zwei wählbaren Lautstärken für den Wecker mit einem Anzeigefenster bei  der "6“. 

Für das Einstellen dieser Möglichkeit und das Ein- und Ausschalten des Weckers war eine Krone bei der „4“ zuständig. Der Hammer schlug auf eine Tonfeder, was einen schönen, hellen und lauten, oder eben leiseren Ton ergab. Die Gehäuse waren aus Edelstahl oder vergoldet. Die Uhren hatten einen gedrückten Deckel und waren nicht wasserdicht. Die Zifferblätter gab es in vier verschiedenen Varianten. Um 1959 kam ein heute sehr seltenes und gesuchtes Modell mit größerem Gehäuse und mit geschraubtem, wasserdichtem Boden heraus. Es war aber leider schon das letzte Armbandweckermodell von Pierce mit eigenem Kaliber.


Die renommierte Firma Langendorf Watch Co., in Langendorf bei Solothurn, wurde 1873 von Johann Kottmann gegründet. Schon 1951 brachte sie ein beachtliches Weckerkaliber auf den Markt. Die Firma hatte auf diesem Gebiet ja schon Erfahrung, denn bereits 1889 gab es einen Taschenwecker im Programm. Das nunmehr konstruierte 12-linige Kaliber 1241 mit der Bezeichnung „Lanco-Fon“ war mit Steinanker, 18.000 A/h, Glucydurunruh, autokompensierender Flachspirale, 17 Steinen und 2 Federhäusern ausgestattet. Das Ausgefallene an diesem Werk aber war, dass der Aufzug beider Federn plus der gesamten Steuerung über eine Krone erfolgte. Darum Sammler aufgepasst! Beim oberfl- ächlichen Anblick ausgestellter Uhren ist sie als Wecker leicht zu übersehen. Auch das „Lanco Fon“ hatte ein kleines Sichtfenster zur Kontrolle der Weckereinstellung, hier bei der „12“. Ab 1955 wurde das Kaliber 1243 erzeugt. Der Unterschied zum Kaliber 1241 war eine veränderte Platine, und der Wecker klingelte beim Einstellen der Weckzeit. Es folgte dann noch das Kaliber 1244, dessen auffälligste Veränderung zum Vorgängerkaliber die Form der Brücken war. Die Gehäuse wurden in den ersten Jahren verchromt oder vergoldet. Die Lünette und die Bandanstöße hatten eine facettierte Form. Die Zifferblätter waren aufwendig gestaltet. Außergewöhnlich für die damalige Zeit war auch ein Modell mit einem 39 mm Gehäusedurchmesser, welches sich merklich von den anderen Uhren unterschied. Dieses Gehäuse gab es in Stahl oder vergoldet. Spätere Modelle Anfang der „Sechziger“ waren klassisch streng, die Blätter nüchterner und die Bezeichnung „Lanco Fon“ wurde auf „LANCO“ Alarm geändert.

 


Auch die Firma Cyma, eine damals für gute Qualität sehr bekannte Manufaktur, platzierte um 1953 einen beachtlichen Armbandwecker mit dem Kaliber R. 464. Das 12½-linige Werk hatte Steinanker, 17 Steine, 18.000 A/h, Cymaflex Stoßsicherung, ein Federhaus und Handaufzug für Uhrwerk und Wecker. Der Hammer schlug auf eine rund um das Werk gewundene Tonfeder, welche einen schönen hellen Klang abgab. Die Uhren hatten meist die Bezeichnung „Time-O-Vox“ oder „Cymaflex“ am Zifferblatt aufgedruckt. Bei frühen Modellen findet man manchmal nur den Firmennamen. Eher ungewöhnlich war die kleine Sekunde bei der „6“. Auch die Bandanstöße der ersten Modelle, welche es mit Stahl- und Goldgehäuse gab, sind eigenwillig. Später kamen dann auch andere Gehäuse, vergoldet oder in Edelstahl, mit verschieden bedruckten Zifferblättern dazu. Die Gelbgoldmodelle waren sogar geprüfte Chronometer. Nicht alle diese Uhren hatten am Zifferblatt die Beschriftung „Chronometre“, wohl aber die Prüfungseintragung am Werk. Es sind nur noch zwei weitere Armbandwecker von damals als Chronometer bekannt, nämlich die „Fortis Manager“ 

und ein Modell von Vulcain. Der Cymawecker war technisch sehr anspruchsvoll und total anders konstruiert als die Kaliber der Konkurrenz. Auch das äußere Bild mit den Drückern bei der „2“ und der „4“ erinnerte eher an einen Chronographen. Die Bedienung dieser Drücker zur Uhr- und Weckereinstellung war sehr gewöhnungsbedürftig und wahrscheinlich mit einer der Gründe, warum diese für den heutigen Sammler so interessante Uhr damals eher wenig Inte-resse fand. Die Armbandweckermodelle von Cyma, vor allem das Goldmodell, gehören heute zu den seltensten und am meisten gesuchten Sammleruhren dieser Art.

 


 

 

 

Ein weiterer Armbandwecker, der über dem „großen Teich“ hergestellt wurde, war eine ausgefallene Konstruktion der Firma Lasalle in Illinois. Er hatte die Bezeichnung „Westclox Alarm“, Kaliber W5. Dieses 12¼-linige Kaliber mit gestanzter Unruh, Flachspirale, Stiftanker und einfacher Stoßsicherung hatte eine Vollplatine, aber keine Steinlagerung. Die verchromten Metallgehäuse für dieses sonderbare Werk wurden übrigens in Deutschland hergestellt. Bei der „9“ außen am Gehäuse war ein Schieber zum Aus- und Einschalten des Alarms. Außergewöhnlich war auch die Zeiteinstellung für den Wecker. Dafür gab es einen Drücker bei der „2“. Bei jedem Drücken sprang der Weckerzeiger immer um einen ¼-Stundenschritt gegen den Uhrzeigersinn. Dieses Prinzip gab es schon um 1900 bei einem Taschenwecker der Firma Alpina. Die Westclox Alarm war hauptsächlich für den amerikanischen Markt bestimmt und obwohl damals eine Billigstuhr, ist sie heute in gutem Zustand ein begehrtes, sehr seltenes und entsprechend teures Sammelobjekt. 


Die Firma Vulcain produzierte nach wie vor erfolgreich ihr Kaliber 120 und ab 1950 das Kaliber 401 „Calendar“ mit kleiner Sekunde bei der „6“ und Datumsanzeige. Aber auch die Damenwelt sollte ihren eigenen Wecker auf den zarten Arm bekommen. Da die Uhrengröße bei den Damen damals dem Zeitgeschmack entsprechend eher klein und zierlich war, war es ein nicht so leichtes Unterfangen, all die notwendigen Teile einer Weckerkonstruktion auf diesem engen Raum unterzubringen. Noch dazu sollte dieses „Ührchen“ natürlich möglichst laut, wie man es eben von der Cricket gewöhnt war, nun die Damenwelt wachrütteln, oder im Büro das baldige Rendezvous mit dem Herzallerliebsten ankündigen. Nun, auch dieses Kunststück gelang Robert Ditisheim, dem Vater der Cricket und seinen Uhrmachern. Da Gold immer schon das liebste Metall der holden Weiblichkeit war, kam man auf die Idee, die sonst 

aus Stahl gefertigte Membran im Doppelboden aus diesem edlen Metall zu fertigen. Der Klang war edel, hell und gut hörbar und somit stand gleich der Name für diesen zierlichen Damenarmbandwecker fest. Als berühmte „Golden Voice“ ging sie in die Weckergeschichte ein. Wahrscheinlich ab 1957 kam dieses 8¾-linige Kaliber mit der Bezeichnung 406 auf den Markt. Die Uhr   erfüllte alle Erwartungen. Sie hatte Zentralsekunde, 2 Federhäuser,  17 Steine, Steinanker, Handaufzug für Uhrwerk und Wecker und 18.000 A/h. Nicht einmal auf die von Ditisheim für die „große“ Cricket konstruierte Exactomatic-Lagerung der Unruh wurde verzichtet. Die Uhren hatten 18 Karat Gold-, Stahl-, Chrom- oder Plaquéegehäuse. 

Es war weltweit der erste Damenarmbandwecker. In geringer Stückzahl wurde das Kaliber auch von Universal Geneve und Movado verwendet. Die „Golden Voice“ ist heute ein seltenes, sehr begehrtes und auch teures Sammelstück.